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Bluebay: „Lagardes jüngste Äußerungen ließen an Glaubwürdigkeit vermissen“

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Hoher Inflationsdruck, schwächere Konjunkturdaten, eine kopflose EZB-Chefin: Mark Dowding, Chief Investment Officer beim Asset Manager Bluebay, geht in seinem aktuellen Marktkommentar davon aus, dass die Inflationsprognosen für die Eurozone auf der März-Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) nach oben korrigiert werden, nachdem die Inflationsrisiken eindeutig zunehmen.

Aufgrund des zunehmenden Inflationsdrucks war der Monat Januar durch den Ausblick der Zentralbanken auf eine straffere Geldpolitik geprägt, was Risikoanlagen unter Druck setzte, schreibt Dowding. Schwächere Konjunkturdaten infolge der Ausbreitung der Omikron-Variante deuteten wiederum darauf hin, dass der Aufwärtsdruck auf die Anleiherenditen eine Zeit lang nachlassen könnte.

Die aggressiven Kommentare der EZB haben hingegen den Druck auf die Renditen verstärkt und könnten Risikoanlagen weiter belasten, so Dowding. Somit sei nicht zu erwarten, dass es nach den Stürmen des vergangenen Monats zu einer längeren Ruhephase kommt, bevor neue Turbulenzen die Märkte beunruhigen.

Auf der jüngsten EZB-Sitzung versuchte EZB-Präsidentin Christine Lagarde, den Märkten die Botschaft einer weiterhin relativ lockeren Geldpolitik zu vermitteln. Viele Marktteilnehmer ließen sich jedoch von ihren einleitenden Bemerkungen nicht täuschen, denn in ihren anschließenden Kommentaren zur Zinssitzung wurde deutlich, dass der EZB-Rat ab sofort in Richtung einer strafferen Geldpolitik gehen will, schreibt Dowding. Die Marktteilnehmer seien infolgedessen zu dem Schluss gekommen, dass die Inflationsprognosen auf der März-Sitzung nach oben korrigiert werden, weil die Inflationsrisiken eindeutig in diese Richtung zeigen.

Bislang vertrat die EZB die Linie, die Zinsen erst nach Beendigung der Ankäufe von Vermögenswerten anzuheben. Da die Märkte inzwischen jedoch eine Zinsanhebung um zehn Basispunkte im Juni erwarten, besteht der Eindruck, dass auch ein früheres Ende der Ankäufe von Vermögenswerten bevorstehen könnte, was die Anleihe-Spreads in der Eurozone belasten dürfte. Aus Sicht von Dowding ist klar: Die Umsetzung der EZB-Politik wird in diesem Jahr immer schwieriger werden.

„Letztlich sind wir jedoch der Meinung, dass die Inflationserwartungen in Ländern wie Deutschland stärker als in anderen Ländern verankert sind. Unserer Einschätzung nach wäre eine Zinserhöhung in den nächsten sechs Monaten verfrüht. Die Marktteilnehmer müssen sich jedoch darauf einstellen, dass eine Straffung der Geldpolitik unvermeidlich geworden ist.

Wir erwarten, dass es in den kommenden Monaten zu weiteren Zinserhöhungen und einer Abkehr von der quantitativen Lockerung kommen wird: Die Inflation überschießt und der Arbeitsmarkt ist angespannt. Viele Länder haben mit der Verfügbarkeit von Arbeitskräften zu kämpfen, vor allem auch im Niedriglohnsektor. Besonders gravierend ist die Lage in Großbritannien: Weil viele jüngere EU-Bürger angesichts des Brexits und der Pandemie das Vereinigte Königreich verlassen haben, scheinen die Herausforderungen für den Arbeitsmarkt hier akuter zu sein als in anderen Ländern. Die steigende Inflation dürfte den Lohndruck verstärken. Obwohl die Bank of England Sorge hat, die Zinssätze zu stark oder zu schnell anzuheben, könnten die aus der Verankerung gelösten Inflationserwartungen der Zentralbank letztendlich kaum eine andere Wahl lassen“, so Dowding.

Bluebay Asset Management LLP ist Spezialist für Fixed-Income-Management. Das Unternehmen mit Sitz in London verwaltet per Ende Dezember 2021 rund 125 Milliarden US-Dollar für institutionelle Anleger und Finanzinstitute. Bluebay hat Niederlassungen in Großbritannien, der Schweiz, Deutschland, Luxemburg, den USA, Japan und Australien. Bluebay Asset Management befindet sich zu 100 Prozent im Besitz der Royal Bank of Canada und ist Teil von RBC Global Asset Management.

www.bluebay.com

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